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DE

Im Sommer 2022 wurde das ARTIST-IN-RESIDENCE Programm des Kulturvereins SALETTL das erste Mal aufgelegt. Zwei international bekannten Künstlerinnen wurde damit ein Aufenthalt von jeweils 3 Wochen (27. Juni bis 17. Juli 2022 und 18. Juli bis 7. August 2022) am Gemeinschaftshof der Kleinen Stadtfarm ermöglicht, um dort ein künstlerisches Projekt zu entwickeln bzw. weiterzuentwickeln. 

Aus den zahlreichen Bewerbungen wurden für unser erstes Artist-in-Residence Programm Sema Kaygusuz (ökofeministische Autorin aus Istanbul) und Julischka Stengele (queere und feministische, transdiziplinär arbeitende Kunst- und Kulturschaffende aus Wien) ausgesucht. Beide bearbeiten Themen von hoher gesellschaftlicher Relevanz und Aktualität, die sich mit den Grundsätzen und Anliegen der Hofgemeinschaft sehr gut ergänzen. Wir freuen uns mit dieser Auswahl auf einen lebendigen, partizipativen Dialog zwischen Künstlerinnen, Hofgemeinschaft und Nachbarschaft, und vor allem auch Wien weitem, internationalem Publikum zurückblicken zu können.



EN

In summer 2022, the ARTIST-IN-RESIDENCE programme of the SALETTL cultural association was launched for the first time. Two internationally renowned artists were given the opportunity to stay for 3 weeks each (27 June to 17 July 2022 and 18 July to 7 August 2022) at the community courtyard of the Kleine Stadtfarm to develop or further develop an artistic project. 

Sema Kaygusuz (ecofeminist author from Istanbul) and Julischka Stengele (queer and feminist transdisciplinary artist and cultural worker from Vienna) were selected from the numerous applications for our first artist-in-residence programme. Both work on topics of high social relevance and topicality, which complement the principles and concerns of the farm community very well. With this selection, we are pleased to be able to look back on a lively, participatory dialogue between artists, the farm community and the neighbourhood, and above all Vienna's wide, international audience.

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Copyright: Elif Kahveci

Sema Kaygusuz

27.06. - 17.07.2022

DE

Sema Kaygusuz, geboren 1972 in Samsun an der türkischen Schwarzmeerküste, studierte von 1990 bis 1994 in Ankara, wo sie auch Theater spielte und für den Rundfunk arbeitete. Heute schreibt sie Kurzgeschichten, Romane, Essays, Theaterstücke, Drehbücher und Texte zur zeitgenössischen Kunst, für die sie zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhielt. Kaygusuz' Texte wurden vielfach übersetzt (zuletzt auf Deutsch „Wein und Gold“ (2008) und „Schwarze Galle“ (2013)) und 2010 verbrachte sie als Gast des deutschen DAAD-Kulturprogramms ein Jahr in Berlin. Seit 25 Jahren betrachtet Sema Kaygusuz die Welt mitfühlend durch verschiedene literarische Genres. Sie lässt sich von der Idee leiten, dass "a way of seeing is also a way of not seeing". Kaygusuz sieht Literatur als "spiral atlas of humans" und lehnt damit jede Art von Überlegenheitsverhältnis ab.

 

EN

Sema Kaygusuz, born in 1972 in Samsun on the Turkish Black Sea coast, studied in Ankara from 1990 to 1994, where she also acted in theater and worked for radio. Today she writes short stories, novels, essays, plays, screenplays, and contemporary art texts for which she received many national and international awards. Kaygusuz' texts have been widely translated (most recently in German "Wein und Gold" (2008) and "Schwarze Galle" (2013)) and in 2010 she spent a year in Berlin as a guest of the German DAAD cultural program. Sema Kaygusuz has been looking at the world compassionately through various literary genres for 25 years. She's led by the idea that "a way of seeing is also a way of not seeing". In her own words, Kaygusuz sees literature as a "spiral atlas of humans", thereby rejecting all kinds of superiority relations.

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Julischka Stengele

18.07. - 07.08.2022

DE

Julischka Stengele lebt in Wien und betätigt sich international als freischaffende Künstlerin, Kulturarbeiterin, Textproduzentin und in der Bildungsarbeit. In ihrer Ausbildung zur hauswirtschaftlichen Assistentin lernte sie u.a. Kochen, Backen, Putzen und Servieren. Später folgten Studien in Visueller Kommunikation, Fotografie und Bildende Kunst in Berlin, Helsinki und Wien. Ihr Interesse gilt dem Dialog zwischen Körper und Umwelt, multisensorischen Genüssen aller Art, Wort und Stimme, der Schönheit und Vielfalt der Natur und dem Leben in Gemeinschaft. Stengele erhielt zahlreiche Anerkennungen für ihr Arbeit, darunter das Staatsstipendium Bildende Kunst (2021) und den Förderpreis der Freien Szene Wiens (2020). Ihre Texte wurden u.a. publiziert in: an.schläge, bildpunkt, Falter und online. 

 

 

EN

Julischka Stengele lives in Vienna and works internationally as a freelance artist, cultural worker, text producer and in education. In her education as a domestic assistant, she learned cooking, baking, cleaning and serving, among other things. Later she studied visual communication, photography and fine arts in Berlin, Helsinki and Vienna. She is interested in the dialogue between body and environment, multisensory pleasures of all kinds, word and voice, the beauty and diversity of nature and life in community. Stengele has received numerous recognitions for her work, including the Staatsstipendium Bildende Kunst (2021) and the Förderpreis der Freien Szene Wien (2020). Her texts have been published in: an.schläge, bildpunkt, Falter and online, among others.

Copyright: Ida Grimsgaard

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Hier gehts zur Galerie von der Veranstaltung

"Begegnung mit Sema Kaygusuz"

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Hier gehts zur Galerie von der Veranstaltung

"Lobauversuchung" mit Julischka Stengele

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LOBAUVERSUCHUNG

DE

Während meiner Zeit auf dem Gemeinschaftshof der Kleinen Stadtfarm war ich einerseits viel mit den mich umgebenden Lebensmitteln, als auch mit den natürlichen Elementen beschäftigt, die für deren Wachstum nötig sind. Für meine Abschlussveranstaltung habe ich ein künstlerisch-performatives Menü mit dem Titel "Sonne, Wasser & Erde" entwickelt, das zum Großteil aus direkt vor Ort produzierten bzw. vorhandenen Lebensmitteln und Pflanzen bestand. Dabei war es mein Anliegen, die Eigenschaften der titelgebenden Elemente (wie z.B. die Wärme der Sonne oder die Weichheit des Wassers) in die Speisen selbst zu übersetzen. 

Erster Gang: "Hitzeperlen", serviert im Gewächshaus als abstraktes Gemälde

Zweierlei Karottenpüree von der orangenen und gelben Rübe, diverse Sorten frische und sonnengetrocknete Tomaten, Sonnenblumenkräuteröl, mit Honig und Chilli karamelisierte Sonnenblumenkerne, zermahlenes Pumpernickel.

 

Zweiter Gang: "Nymphenspeise (Algenschleim & Menschensilber)", serviert im Schillerwasser

Für diesen Gang versammelte sich das Publikum am Ufer des Wassers, ich kam als schillerndes Nymphenwesen mit einer Servierplatte auf meinem Körper ins Bild geschwommen. Darauf befanden sich ein Gurken-Minz-Gelee, das in Farbe und Textur den Algen auf der Wasseroberfläche nachempfunden war, sowie darin sitzende versilberte Kieselsteine. Der Verzehr fand wortlos und spielerisch statt. 

 

Dritter Gang: "Ein Stück Wiese", serviert beim Pferdestall in Tontopf und Schubkarre

Süßes Gelee aus Heu, Panna Cotta aus Schafs- und Ziegenmilch mit getrockneten Blütenblättern, Erde aus zermahlenen Schokokeksen und Kaffeesatz. 

Im Anschluss an das Menü, präsentierte ich meinen Kurzfilm "Bodies of Water" (2020), welcher sich auf poetische Weise mit der Verwandtschaft zwischen meinem Körper, Gewässern und Flüssigkeiten beschäftigt und u.a. von meinen Stunden in der Lobau inspiriert ist.

 

 

EN

During my time at the community farm of the Kleine Stadtfarm I was on the one hand occupied with the food surrounding me, and on the other hand with the natural elements necessary for its growth. For my final event, I developed an artistic-performative menu titled "Sun, Water & Earth" that consisted largely of food and plants produced or available directly on site. My intention was to translate the qualities of the titled elements (such as the warmth of the sun or the softness of water) into the dishes themselves. 

First course: "Hitzeperlen" / Heat Pearls, served in the greenhouse as an abstract painting.
Two kinds of carrot puree from orange and yellow beet, various kinds of fresh and sun-dried tomatoes, sunflower herb oil, sunflower seeds caramelized with honey and chili, ground pumpernickel.

Second Course: "Nymphenspeise (Algenschleim & Menschensilber)" / Nymph's Dish (Algae Slime & Human Silver) served in and at the Schillerwasser.
For this course, the audience gathered at the water's edge, I came swimming into view as a shimmering nymph with a serving platter on my body. On it was a cucumber-mint jelly, the color and texture of which mimicked the algae on the surface of the water, and silvered pebbles sitting inside. The consumption took place wordlessly and playfully. 

Third course: "Ein Stück Wiese" / A piece of meadow, served at the horse stable in a clay pot and a wheelbarrow.
Sweet jelly made from hay, panna cotta made from sheep and goat milk with dried flower petals, "soil" made from ground chocolate cookies and coffee grounds. 

Following the menu, I presented my short film "Bodies of Water" (2020), which poetically explores the kinship between my body, bodies of water, and other fluids, and is inspired by my hours in the Lobau, among other things.

Text: Julischka Stengele

Fotos: Julischka Stengele

Begegnung mit Sema Kaygusuz

Mitschnit der Lesung von Sema Kaygusuz mit der Übersetzung von Erhan Altan vom neuen wiener Diwan

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Gefördert und ermöglicht durch den Bezirk Donaustadt

Sponsored and made possible by the district of Donaustadt

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